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Gastbeitrag von Marius: Nach der EU-Jugendkonferenz in Tallinn

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Es ist Donnerstag Abend, 19 Uhr und ich sitze gemeinsam mit meinen beiden Mitstreiter*innen Katinka und Martin im Flieger zurück nach Deutschland. Zusammen mit uns reisen noch ca. 20 Jugenddelegierte aus anderen Ländern Europas, die ihren Heimweg über einen Zwischenhalt in Frankfurt angetreten sind. Hinter uns allen liegen vier unfassbar ereignisreiche Tage. Wir alle waren, gemeinsam mit über 100 Jugendvertreter*innen sowie für Jugendpolitik zuständigen Ministerialbeamt*innen aus allen Ländern der Europäischen Union, den weiteren europäischen Ländern sowie zum ersten Mal Ländern der Östlichen Partnerschaft (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldawien, Ukraine und Weißrussland) auf der EU-Jugendkonferenz in Tallinn.

Martin Drossos (CC BY 4.0)

Mehr zum Rahmen der EU-Jugendkonferenz

Die EU-Jugendkonferenz ist die Möglichkeit für Jugendvertreter*innen zusammenzukommen, um so über die Interessen und Forderungen junger Menschen in Europa zu diskutieren. Anschließend werden diese anschließend gegenüber der EU selbst formuliert: Immer mit dem Ziel, politische Entscheidungen im Sinne von Jugendlichen zu beeinflussen. Den Rahmen für die EU-Jugendkonferenzen stellt der Strukturierte Dialog. Dieser ist ein Format, durch welches politische Entscheidungsträger*innen mit jungen Menschen und der organisierten Jugendarbeit zusammengebracht werden sollen, um so den Interessen der jungen Menschen in Europa Gehör zu verschaffen. Nachdem innerhalb der europäischen Länder immer wieder die Meinung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu ihrer Lebenswelt und ihren Forderungen und Ansprüchen an das politische System abgefragt werden, treffen sich regelmäßig Jugendvertreter*innen auf den EU-Jugendkonferenzen, um die gesammelten Meinungen gegenüber den politischen Entscheidungsträger*innen zu präsentieren und zu verteidigen. Inhalte und Ziele der Konferenzen sind immer ein wenig von der aktuellen Situation abhängig. Martin, Katinka und ich sind bis Ende 2018 eure Vertreter*innen auf europäischer Ebene. Das Ziel des aktuellen Prozesses „du »EUROPA» wir“ ist es, die EU-Jugendstrategie, welche gerade von der Europäischen Kommission erarbeitet wird, im Sinne der Interessen von uns jungen Europäer*innen zu beeinflussen. Die EU-Jugendstrategie ist im Prinzip eine Art Plan der Europäischen Union, mit welchem man die Probleme von Jugendlichen in Europa lösen möchte.

Um gemeinsam die wichtigsten Probleme für junge Menschen in Europa zu diskutieren, haben wir uns vergangenes Wochenende in Tallinn getroffen. Insgesamt konnten wir uns mit den anderen Jugendvertreter*innen auf 16 Themenbereiche einigen. Darunter fällt zum Beispiel das Thema mentale Gesundheit. In manchen Ländern Europas leiden bis zu 30% aller Menschen zwischen 14 und 27 Jahren an depressiven Phasen. Dies ist ein erschreckend hoher Wert! Wir waren uns einig, dass dieses Problem einer politischen Lösung bedarf und haben es uns deshalb auf die Agenda gesetzt. Weitere wichtige Themen, die wir in Tallinn besprochen haben waren u.a. die schwierige Wohnsituation für junge Menschen, die schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Umweltpolitik und das fehlende Mitbestimmungsrecht junger Menschen auf allen politischen Ebenen. Bis zu nächsten EU-Jugendkonferenz, die im April 2018 in Bulgarien stattfinden wird, werden in allen Ländern Europas Konsultationen mit jungen Menschen durchgeführt, um ein möglichst breites Meinungsspektrum zu den von uns definierten Themen zu bekommen. Hier bist übrigens auch du gefragt! Den Abschluss unserer Vertretungsarbeit wird die EU-Jugendkonferenz in Wien bilden. Dort werden wir dann gemeinsam mit den anderen Jugendvertreter*innen Forderungen an die Europäische Union und die zukünftige EU-Jugendstrategie formulieren.

Martin Drossos (CC BY 4.0)

Für mich persönlich war die EU Jugendkonferenz in Tallinn eine coole Erfahrung. Ich hatte die Möglichkeit, direkt mit politischen Entscheidungsträger*innen in Kontakt zu kommen und hier auch die Themen die uns jungen Menschen wichtig sind, anzusprechen. Besonders bereichernd fand ich hier die Erfahrung, von den jeweiligen Personen ernstgenommen zu werden. Ich hatte in jedem meiner Gespräche das Gefühl, dass uns Jugendvertreter*innen zugehört wurde und unsere Ideen und Vorschläge tatsächlich angehört und in Zukunft auch einen Unterschied machen werden. Gerade in Gesprächen mit „den Alten“ wurde mir klar, dass wir jungen Menschen in vielen Dingen andere, oftmals viel unkonventionellere und innovativere Sichtweisen haben. Meine große Lernerfahrung war es deshalb, dass mir bewusst geworden ist, dass wir uns als Generation selbst ernst nehmen dürfen und müssen. Es ist nämlich nicht so, dass die Alten für alle Probleme eine (bessere) Lösung haben als wir. Keine Generation vor uns ist in solcher Freiheit und mit einem selbstverständlicheren Zusammenleben verschiedener Länder und Kulturen groß geworden. Für uns scheint es deshalb oftmals super offensichtlich, Probleme weltoffen und gemeinschaftsorientiert anzugehen. Mein Eindruck ist, dass wir da unseren Eltern und dem Rest der Gesellschaft bereits einiges voraus haben! Lasst uns den Mut, die Ausdauer und die Durchsetzungskraft haben, gegen alte Strukturen und Denkweisen aufzustehen.

Autor: Marius Schlageter